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Neue Anwendung veröffentlicht: MultiDeck Audio Player

23.01.2026 von Steffen

Multideck-Programmfenster

Wer hätte nicht schon einmal gerne all seine Lieblingssongs gleichzeitig gehört, die man sonst mühsam einzeln in der Playlist seines bevorzugten Streamingdienstes auswählen müsste? Die dabei entstehende Kakofonie möchte ich mir lieber nicht ausmalen, aber theoretisch kann mein neuer MultiDeck Audio Player diese musikalische Untat bewerkstelligen. Ursprünglich war das Programm natürlich für ganz andere Zwecke gedacht.

Vom Entwicklungsplan zur fertigen Anwendung

Der MultiDeck Audio Player entstand aus der Idee heraus, mehrere Internetstreams gleichzeitig zu beobachten. So sollte es beispielsweise möglich sein, vier Streams in eine Playlist zu laden und diese dann im Minutentakt abwechselnd abzuspielen. Herkömmliche Mediaplayer bieten solche Funktionen eher nicht, und selbst professionelle Radioautomationen haben oft Probleme mit solchen Aufgaben, obwohl es in der Theorie funktionieren müsste. Ich habe diverse Systeme ausprobiert und bei jedem gab es bisher das eine oder andere Problem. Die technischen Details erspare ich euch lieber. Meistens gab es Schwierigkeiten beim nahtlosen Wechsel von einem Stream zum anderen.

Schließlich kam mir ein eigener Player in den Sinn, dessen Oberfläche einer Mehrspur-DAW nachempfunden ist. Er sollte die Möglichkeit bieten, mehrere Audiodateien gleichzeitig zu laden und jede Datei mit eigenen Steuerelementen auf einer eigenen Audiospur abzulegen. Alle Dateien sollten gleichzeitig wiedergegeben werden, um einen nahtlosen Übergang beim Umschalten zwischen den Spuren zu gewährleisten. Damit war der MultiDeck Audio Player geboren. Der Name „MultiDeck” spielt ein wenig auf alte Kassettendecks an, die es aber maximal in doppelter Ausführung gab. Da es unmöglich war, ein so umfangreiches Projekt in akzeptabler Zeit durch das Studieren aller Python- und GUI-Dokumentationen umzusetzen, gab ich Claude meine Ideen und ließ sie als detailierten Entwicklungsplan ausarbeiten. Diesen übergab ich dann an Claude code, und bereits nach einem Tag hatte ich einen weitgehend fehlerfrei funktionierenden Prototypen.

Bereit für die Grenzfälle des Hörgenusses

Kern der Anwendung sind drei verschiedene Betriebsmodi. Zunächst gibt es den Mixermodus, der tatsächlich alle geladenen Dateien ineinander mischt. Er eignet sich beispielsweise zur Erstellung von Soundkollagen mit Naturgeräuschen - oder eben für kopfschmerzbereitende Musikmischungen. Dann gibt es den Solomodus. Wie der Name vermuten lässt, wird hierbei nur das aktive Deck wiedergegeben, während alle anderen Decks stummgeschaltet sind. Eine Funktion, die auch in professionellen DAWs zum Standard gehört. Die dritte Betriebsart ist der Automatikmodus. Er war die ursprüngliche Anregung für diese Software. Es handelt sich um einen erweiterten Solomodus, bei dem der Mixer zeitgesteuert durch alle aktiven Decks schaltet. Dabei wird Crossfading unterstützt, also der weiche Übergang zwischen den einzelnen Tonspuren.

Die Deckansicht rechts neben der Auswahlliste verfügt über eine Reihe von Steuerelementen. Neben den Standardschaltflächen für Wiedergabe/Pause und Stop sind Regler für die Lautstärke und Balance integriert. Im Mixermodus kann man auf diese Weise einzelne Dateien herunterregeln, um ein Übersteuern des Gesamtmixes zu verhindern. Monodateien lassen sich über den Balance-Regler in Soundkollagen nach links oder rechts verschieben. Über ein Kontextmenü lässt sich jedes einzelne Deck verwalten. Eine globale Wiedergabesteuerung vervollständigt den Mixer und ermöglicht die Steuerung aller Decks auf einmal.

Wenn man schon einmal dabei ist, fließen natürlich auch einige zusätzliche Ideen mit ein. So hat der MultiDeck Audio Player beispielsweise eine kleine Projektverwaltung erhalten, mit der sich Mixerkonfigurationen und geladene Audiodateien als erweiterte Playliste laden und speichern lassen. Des Weiteren gibt es eine Aufnahmefunktion mit Pre-Roll-Puffer, also eine Vorab-Aufnahme, um keine spannenden Momente auf den beobachteten Streams zu verpassen. Umfangreiche Programmeinstellungen, ein mehrsprachiges Interface sowie ein helles und ein dunkles Theme runden die Funktionen des Players ab.

Verfügbarkeit

Der MultiDeck Audio Player ist quelloffen und das in Python erstellte Projekt kann auf GitHub vollständig eingesehen werden. Eine fertige Version für Windows ist auf dieser Seite oder in den GitHub-Releases verfügbar. Der Player sollte theoretisch auch auf Mac und Linux laufen, was ich aber bisher noch nicht verifizieren konnte. Als zusätzliche Abhängigkeit wird ein im System installiertes FFmpeg benötigt, da der Player sonst nur WAV-Dateien abspielen kann. Auch wenn das Programm überwiegend nach meinen Vorstellungen entworfen wurde, bin ich natürlich offen für Verbesserungsvorschläge. Wer weiß? Vielleicht gibt es am Ende ja eine eigene KI, die aus der Kakofonie eurer Lieblingslieder einen coolen Mix erstellt.


Über Steffen

Durchschnitts-Nerd mit hundertprozentigem Augenschaden, aufgewachsen im Osten Deutschlands. Meine ersten Computererfahrungen habe ich noch unter MS-DOS gesammelt und meine Ausbilder mit Piano-Geklimper als QBasic-Programm in den Wahnsinn getrieben. 😁 Seitdem bin ich mit vielen Desktop- und Mobilsystemen in Berührung gekommen. Die von mir eingesetzte Software darf einfach oder vielfältig sein, doch wenn ich sie nach fünf Minuten nicht grundlegend verstanden habe, dann ist sie nicht gut.

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